Eine Open Book Klausur klingt nach einer entspannten Prüfung – schließlich dürfen Sie Ihre Unterlagen verwenden. Doch der Schein trügt: Wer das Format unterschätzt, gerät unter Zeitdruck und findet die entscheidenden Informationen nicht rechtzeitig. In diesem Ratgeber erfahren Sie, was eine Open-Book-Klausur genau ist, wie sie sich von einer Take-Home- und einer klassischen Prüfung unterscheidet und welche Kompetenzen dabei bewertet werden. Außerdem zeigen wir den typischen Ablauf, die erlaubten Hilfsmittel, Beispiele von Hochschulen in Österreich sowie die wichtigsten Schritte zur Vorbereitung – damit Sie sicher und gut organisiert in Ihre Prüfung gehen.
Was ist eine Open Book Klausur? – Definition
Kurz gesagt: Eine Open-Book-Klausur ist eine schriftliche Prüfung, bei der ausdrücklich zugelassene Hilfsmittel wie Skripte, Bücher oder eigene Mitschriften erlaubt sind. Im deutschsprachigen Raum wird dieses Format auch als Kofferklausur bezeichnet – der Name spielt darauf an, dass Studierende theoretisch einen ganzen Koffer voller Materialien mitbringen könnten.
Erlaubt sind dabei in der Regel schriftliche Unterlagen. Die Kommunikation mit anderen Personen ist hingegen fast immer untersagt, ebenso das Kopieren fertiger Antworten. Welche Materialien konkret zugelassen sind, legt die jeweilige Lehrveranstaltung fest – ein Blick in die Prüfungsangaben lohnt sich also immer. Anders als bei einer klassischen Prüfung geht es nicht darum, möglichst viel auswendig zu wissen, sondern die passenden Informationen gezielt einzusetzen.
Open-Book-Klausur, Take-Home und klassische Klausur im Vergleich
Der wichtigste Unterschied liegt in Hilfsmitteln, Ort und Zeit. Eine klassische Klausur (Closed Book) prüft vor allem Faktenwissen ohne Hilfsmittel. Bei der Open-Book-Klausur sind Unterlagen erlaubt, die Prüfung findet aber zu einer festgelegten Zeit statt. Eine Take-Home-Klausur bearbeiten Sie an einem frei wählbaren Ort innerhalb eines festgelegten Bearbeitungs- oder Abgabefensters – die Startzeit ist dabei nicht immer frei wählbar. Für Ihre Vorbereitung ist diese Einordnung wichtig, weil jedes Format eine andere Herangehensweise verlangt. Die folgende Übersicht fasst die Unterschiede zusammen:
| Merkmal | Closed Book | Open Book | Take-Home |
| Hilfsmittel | keine oder nur ausdrücklich begrenzte Hilfsmittel | ausdrücklich zugelassene Unterlagen | nach Vorgabe, häufig umfassende Materialien |
| Ort / Zeit | meist vor Ort, fester Termin | vor Ort oder digital, festgelegte Prüfungszeit | frei wählbarer Ort, festgelegtes Bearbeitungs- oder Abgabefenster |
| Geprüft wird | Wissen und Anwendung | Anwendung, Analyse und Transfer | eigenständige Analyse und Ausarbeitung |
| Dauer | festgelegt | festgelegt | häufig länger, z. B. mehrere Stunden oder Tage |
Bedeutung der Open-Book-Klausur – welche Kompetenzen geprüft werden
Geprüft wird nicht Ihr Gedächtnis, sondern Anwendung, Analyse und Transfer. Sie sollen zeigen, dass Sie fachliche Konzepte verstanden haben und auf neue Aufgaben oder Fallbeispiele übertragen können. Reines Nachschlagen reicht dafür nicht aus. Ein typisches Beispiel ist eine Fallaufgabe, bei der Sie ein Modell oder eine Theorie auf eine konkrete Situation anwenden – das bloße Zitieren der Definition genügt hier nicht.
Genau deshalb ist die verbreitete Annahme, eine Open-Book-Prüfung sei automatisch leichter, ein Trugschluss. Wer sich allein auf seine Materialien verlässt, verliert Zeit beim Suchen und liefert oft unstrukturierte Antworten. Struktur, Verständnis und ein gutes Zeitgefühl entscheiden am Ende über die Note.
| Merke: Open Book bedeutet nicht Copy-Paste. Zitate und übernommene Inhalte müssen Sie kennzeichnen – sonst drohen dieselben Konsequenzen wie bei einer Täuschung. |
Ablauf einer Open Book Klausur – Präsenz und digital
Der Ablauf ähnelt einer normalen Prüfung – mit dem Unterschied, dass Sie während der Bearbeitung in Ihre Unterlagen sehen dürfen. In einer Präsenzprüfung bringen Sie die erlaubten Materialien an den Prüfungsort mit. Bei einer digitalen Open-Book-Klausur erhalten Sie die Aufgaben zu einem festgelegten Zeitpunkt über ein Lernmanagementsystem wie Moodle und laden Ihre Antworten anschließend hoch, häufig als PDF.
In beiden Fällen gilt eine festgelegte Prüfungszeit. Zitate und übernommene Inhalte müssen Sie kennzeichnen. Ein gesondertes Hilfsmittelverzeichnis ist nur dann nötig, wenn es in den Prüfungsangaben ausdrücklich verlangt wird. Bei digitalen Prüfungen lohnt sich vorab ein Technik-Check: Prüfen Sie rechtzeitig Zugang, Upload-Format und Internetverbindung, damit am Prüfungstag keine Zeit verloren geht. Die folgende Grafik zeigt den typischen Ablauf Schritt für Schritt:

Die vier Schritte einer Open-Book-Klausur – von der Aufgabe bis zur Abgabe.
Erlaubte Hilfsmittel bei der Open-Book-Klausur – kurz erklärt
Welche Hilfsmittel erlaubt sind, hängt von den Vorgaben Ihrer Lehrveranstaltung ab. Je nach Prüfung können Skripte, Bücher und eigene Mitschriften zugelassen sein. Die Kommunikation mit anderen Personen ist in der Regel untersagt. Smartphones oder Computer dürfen Sie nur nutzen, wenn dies ausdrücklich vorgesehen ist – etwa für die Bearbeitung oder den Datei-Upload. Im Zweifel gilt: Was nicht ausdrücklich erlaubt ist, sollten Sie nicht verwenden. Welche Materialien im Detail erlaubt und welche verboten sind, lesen Sie im Ratgeber Was ist erlaubt und was nicht.
Open Book Klausur an verschiedenen Universitäten
Die konkreten Regeln unterscheiden sich je nach Hochschule und Lehrveranstaltung. Die folgenden Beispiele zeigen, wie unterschiedlich das Format gehandhabt wird.
Universität Wien: Regeln für offene Prüfungsformate
Der Infopool der Universität Wien beschreibt Open Book als schriftliches Prüfungsformat mit ausdrücklich zugelassenen Hilfsmitteln. Welche Materialien verwendet werden dürfen, wird für die jeweilige Lehrveranstaltung festgelegt. Am Institut für Sprachwissenschaft wird beispielsweise verlangt, erlaubte Hilfsmittel vorab schriftlich bekannt zu geben und übernommene Inhalte korrekt zu kennzeichnen.
WU Wien: zugelassene und unzulässige Hilfsmittel
An der WU legt die Lehrperson die erlaubten Materialien fest; die Angaben finden sich im Syllabus beziehungsweise im Vorlesungsverzeichnis. Zusätzlich führt die WU Wien eine Liste unzulässiger Hilfsmittel für Präsenzprüfungen. Maßgeblich sind immer die konkreten Vorgaben der jeweiligen Prüfung.
Universität Graz: Prüfung über Moodle
Bei Moodle-Prüfungen an der Universität Graz gelten die individuellen Angaben der Lehrperson – etwa zu Zeitvorgabe, technischen Voraussetzungen, Aufgabenformat und Datei-Upload.
Universität Ulm: Open-Book-Prüfung über Moodle
Die Universität Ulm beschreibt Open-Book-Prüfungen über Moodle: Erlaubte Materialien dürfen genutzt werden, geprüft wird jedoch die Anwendung statt reinem Abruf.
HTW Berlin: Anwendung und Transfer im Mittelpunkt
Die HTW Berlin versteht die Open-Book-Klausur als Format, das Anwendung, Analyse und Transfer prüft – nicht das Kopieren vorgefertigter Antworten.
Universität Potsdam: Materialien und Bearbeitungszeit
Die Universität Potsdam definiert Open Book als Prüfung mit Materialien innerhalb einer festgelegten Zeit; die genauen Bedingungen hängen vom jeweiligen Modul ab.
Wie bereite ich mich auf eine Open-Book-Klausur vor?
Eine gute Vorbereitung sorgt dafür, dass Sie Ihre Unterlagen souverän beherrschen. Erstellen Sie zunächst eine komprimierte Zusammenfassung und ein Register, mit dem Sie Definitionen, Formeln und Quellen in Sekunden finden. Üben Sie anschließend mit Altklausuren, um die typischen Aufgabentypen kennenzulernen, und trainieren Sie ein realistisches Zeitmanagement. Planen Sie außerdem feste Lernblöcke ein, statt alles auf die letzten Tage zu verschieben – so bleibt genügend Zeit, um Lücken rechtzeitig zu schließen.
Genauso wichtig ist eine klare Antwortstruktur aus Aussage, Begründung und Beleg. Wer diese Schritte frühzeitig angeht, geht deutlich sicherer in die Prüfung. Detaillierte Tipps finden Sie im Beitrag Open Book Klausur vorbereiten. Wünschen Sie eine gezielte Begleitung, unterstützt Sie unsere Open Book Klausur Vorbereitung mit Übungsklausuren und einem Fachexperten Ihres Studienfachs. Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Vorbereitungsschritte:

Fünf Schritte für eine strukturierte Open-Book-Vorbereitung.
Häufige Fehler bei einer Open-Book-Klausur
Die meisten Fehler entstehen durch mangelnde Vorbereitung – nicht durch fehlende Materialien. Besonders häufig sind:
- zu viel unstrukturiertes Material, in dem man den Überblick verliert
- das Verlassen auf das Skript statt einer eigenen Vorbereitung
- ein schlechtes Zeitmanagement, das am Ende Punkte kostet
- Copy-Paste ohne Quellenangabe, das als Täuschung gilt
Wie Sie diese Stolperfallen umgehen, lesen Sie ausführlich im Ratgeber Häufige Fehler bei einer Open Book Klausur.
Fazit zur Open-Book-Klausur
Eine Open-Book-Klausur ist kein Selbstläufer. Bewertet werden Anwendung, Transfer und Zeitmanagement – nicht reines Auswendiglernen. Wer seine erlaubten Unterlagen strukturiert, mit Altklausuren übt und eine klare Antwortstruktur trainiert, geht sicherer und ruhiger in die Prüfung. Beachten Sie außerdem stets die Regeln Ihrer Hochschule und Lehrveranstaltung, da sich die Vorgaben deutlich unterscheiden können.
Professionelle Vorbereitung auf die Open-Book-Klausur
Sie möchten sich nicht allein auf Ihre Unterlagen verlassen? Unsere Fachexperten bereiten Sie gezielt vor – mit Übungsklausuren, erlaubten Lernunterlagen und einem klaren Zeitplan.

